Hemmnisse einer erfolgreichen Arbeitsvermittlung


Herr Kübler, als privater Arbeitsvermittler haben Sie es sich zur Aufgabe gemacht, Arbeitsuchende in passende freie Stellen zu vermitteln. Welche Probleme oder Hemmnisse können dabei auftreten?
Zu den häufigsten Vermittlungshemmnissen seitens der Bewerber gehören sehr lange Arbeitslosigkeitszeiten, überhöhte Einkommensvorstellungen, mangelnde Qualifikation. Aber auch fehlende Berufserfahrung und fehlende Flexibilität sind Vermittlungsprobleme, mit denen wir immer wieder zu tun haben.
Was genau meinen Sie mit fehlender Flexibilität?
Damit ist nicht nur die Bereitschaft für einen Ortswechsel gemeint. Manchem Berliner ist es zu viel, von Pankow nach Tempelhof zu fahren. Dabei sind gerade Jobs in der Produktion eher im Randbereich Berlins zu finden, zum Beispiel in den Ortsteilen Neukölln und Steglitz. Darüber hinaus existiert häufig keine Bereitschaft, im Schichtbetrieb oder am Wochenende zu arbeiten. Die genannten Problemfaktoren bei der Vermittlung treten meist auch in Kombination auf.
Sie meinen, Langzeitarbeitslose mit mangelnder Qualifizierung würden zu viel Geld verlangen?
So pauschal kann man das natürlich nicht stehen lassen. Einige nennen aber in der Tat ihre Wünsche und sind nicht bereit, sich daran zu orientieren, was am Arbeitsmarkt gezahlt wird. Für einen Produktionshelfer ohne Ausbildung beträgt der Tariflohn derzeit 6,40 Euro pro Stunde. Auch Quereinsteiger ohne Gesellenbrief erhalten nicht die Bezahlung eines Gesellen in dem entsprechenden Beruf. Sind die Vorstellungen zu hoch, brauchen wir die Bewerber dem Arbeitgeber erst gar nicht vorzustellen. Wer mit Ach und Krach seinen Berufsabschluss bestanden hat, muss erst einmal ein wenig Praxis nachweisen und eventuell zu schlechteren Konditionen starten, bevor der Lohn steigt.
Welche Voraussetzungen muss ein Bewerber neben einer guten Qualifikation mit gültigem Abschluss mitbringen?
Eine realistische Einschätzung sowohl der eigenen Fähigkeiten als auch des Wunschberufes muss vorhanden sein. Viele Bewerber machen sich nicht nur falsche Vorstellungen davon, was sie selbst tun könnten, viele verklären auch bestimmte Berufsbilder. Häufig können sich ältere Handwerker vorstellen, als Hausmeister zu arbeiten, wissen aber gar nicht genau, was auf sie zukommt. Für diesen Beruf haben wir sehr viele potentielle Bewerber aber kaum offenen Stellen.
Was also empfehlen sie diesen Bewerbern, eine Umschulung?
Eine Weiterbildung muss passgenau sein. Es macht keinen Sinn, sich zum Wachschutz–Mitarbeiter ausbilden zu lassen, wenn man danach nicht bereit ist, für den Tariflohn von 6,25 Euro zu arbeiten. Arbeitsvermittler sind aber keine Berufsberater. Wir können nur darauf hinweisen, dass die Chancen und der eigene Marktwert sinken, je länger jemand arbeitsuchend ist. Wer also wartet, weil er sich „nicht unter Wert verkaufen“ möchte, für denjenigen wird die Schere zwischen dem, was er gern verdienen möchte und dem was er erzielen kann immer größer.



zurück

Stellenangebot der Woche

Suchen dringend fuer handwerklichen Servicebetrieb eine motivierte Buerokraft mit Selbstbewsstsein u...

[Mehr Informationen]