Stellungnahme zum IAB–Bericht Nr. 21 – 2010


Stellungnahme zum IAB–Bericht Nr. 21/2010 (Oktober 2010)

Sehr geehrte Damen und Herren,
zum Bericht des Instituts für Arbeitsmarkt– und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) mit dem Titel „Vermittlungsgutscheine für Arbeitslose. Oft ausgegeben und selten eingelöst“ möchten wir Stellung nehmen:
1. Ausgereichte Vermittlungsgutscheine:
Der IAB–Bericht berücksichtigt nicht die Mehrfachvergabe von Vermittlungsgutscheinen (VGS) an denselben Arbeitsuchenden (Gültigkeit immer nur 3 Monate).
Bei einem realistischen Faktor von 2,5 wurden also 2004 und 2007 ca. 300.000 Arbeitsuchende mit Vermittlungsgutscheinen ausgestattet. Unter dieser Voraussetzung erhöht sich die realistische Zahl der Vermittlungen von im Text angegebenen unter 10 Prozent auf 25 Prozent.
2. Der IAB–Bericht nennt diverse Gründe für die Nichteinlösung von VGS. Der Bericht
geht nicht darauf ein, dass gerade die häufig geführte Polemik gegen die privaten Arbeitsvermittler ein Hauptgrund für ein gewisses Misstrauen bei Arbeitssuchenden gegen diesen Berufsstand ist. An dieser Stelle ist anzumerken, dass Agenturen, Jobcenter und private Arbeitsvermittler denselben gesellschaftlichen Auftrag, nämlich die Vermittlung in Arbeit, haben.
Mitglieder des RDA sind zertifiziert und halten allgemein anerkannte Standards ein.
Bei den dargestellten Schritten auf dem Weg zur Einlösung eines VGS kann die Behauptung von „bekannten oder vermuteten Qualitätsproblemen" privater Arbeitsvermittler in keiner Weise nachvollzogen werden. Hier handelt es sich um eine unbewiesene Tatsachenbehauptung. Die Erkenntnis aus der Praxis ist eher umgekehrt, dass jeder Arbeitsuchende, der wirklich ernsthaft auf der Suche nach einem neuen Job ist, sehr froh darüber ist, einen oder mehrere private Vermittler bemühen zu können und hierfür das Instrument des VGS zur Verfügung hat.
3. Der Bericht weist auf die steigende Tendenz der Vermittlungen von Hartz–IV–Empfängern über VGS hin. Wir wissen, dass diese Tendenz in den Jahren 2008 bis 2010 weiter zugenommen hat. Dies widerspricht der IAB–Aussage, Private Vermittler würden nur „Rosinen picken“. Außerdem hat die Nachhaltigkeit der Vermittlungen (Auszahlung der zweiten Rate nach sechs Monaten) bis 2010 weiter zugenommen.
Zur Verbleibwahrscheinlichkeit von vermittelten VGS–Inhabern in Arbeit sei an dieser Stelle noch ergänzt, dass nicht nur die veränderte Ausgestaltung des Instrumentes VGS und die verbesserte Konjunkturlage – wie im Bericht dargestellt – dafür verantwortlich sind, dass fast 50 Prozent aller vermittelten Personen nach einem halben Jahr immer noch in Arbeit sind, sondern auch die Qualität der Vermittlung (von der Vorauswahl geeigneter Bewerber, über das Profiling bis hin zur eigentlichen Vermittlung) daran einen großen Anteil haben dürfte.

Fazit:
Der VGS ist ein etablierter Bestandteil der aktiven Arbeitsmarktpolitik. Dass er jedoch trotz seiner Effektivität – Wer übernähme, bei gleicher niedriger Kostenstruktur wie die privaten Arbeitsvermittlung diese Vermittlungen? – noch keine volkswirtschaftlich hohe Wirksamkeit hat, liegt ausschließlich daran, dass das Instrument VGS selbst in seiner aktuellen Ausgestaltung und den derzeit zugrunde liegenden Durchführungsbestimmungen der Arbeitsagentur noch nicht optimal ausgestaltet ist.
Der Ring der Arbeitsvermittler e.V. hat bereits seit 2005 in Stellungnahmen, Petitionen und Beschwerden diverse Vorschläge unterbreitet, wie das Instrument VGS wesentlich effektiver und wirksamer gestaltet werden kann. Dazu gehört unter anderem unsere Forderung, jedem
Arbeitsuchenden einen Rechtsanspruch auf einen VGS zu gewähren, egal aus welchem Rechtskreis er/sie kommt (einschl. sog. Nichtleistungsempfänger) und zwar vom ersten Tag der Arbeitslosigkeit an, während der gesamten Dauer der Arbeitslosigkeit. Dies würde Verwaltungskosten sparen, würde Wettbewerbsgleichheit zwischen staatlichen und privaten Vermittlern schaffen und würde wesentlich mehr Arbeitsuchenden eine Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt ermöglichen.

Ring der Arbeitsvermittler e.V.
Präsident

Frank Lüngen



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