"Fachkräfte fehlen – aber welche?


Fachkräfte fehlen – aber welche?

Interview mit Andreas Kübler vom Verband der privaten Arbeitsvermittler

Als Entlastung und Ergänzung für die Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit sind seit einigen Jahren private Arbeitsvermittler zugelassen.
Wie schätzen diese die Marktchancen ein? Welche Qualifikationen sind gefragt – und woran können Bewerber trotzdem scheitern? Wir fragten Andreas Kübler vom Ring der Arbeitsvermittler e.V.

Rund 227.000 Menschen in Berlin suchten im Dezember Arbeit – und Unternehmen finden keine Fachkräfte. Können Sie das erklären?

Andreas Kübler: Es ist ganz einfach: Die Bewerber erfüllen nicht die Anforderungen.


Welche Berufe betrifft das zum Beispiel?

Andreas Kübler: Im gewerblichen Bereich sind Elektriker und Gas–Wasser–Abwasser–Installateure seit längerem sehr gefragt. Es fehlen auch CNC–Dreher und –Fräser, allerdings geht hier der Bedarf wegen der Krise zurück. Bauberufe sind ein weiteres Thema. Seit sechs Wochen suche ich für eine Firma einen guten Trockenbauer, der auch mauern und putzen kann. Der Geschäftsführer ruft jede Woche an, aber ich kann ihm einfach nicht helfen.


Fehlen nur Fachleute oder gibt es auch Jobs für Menschen mit niedriger Qualifikation?

Andreas Kübler: Produktionshelfer werden immer gesucht. Das ist eine Chance für gering Qualifizierte, allerdings mit einem niedrigen Verdienst.


Sind all das Einzelfälle oder geht es tatsächlich um viele Arbeitsplätze?

Andreas Kübler: Auch Einzelfälle zeigen, wie die Situation tatsächlich ist. Im Ring privater Arbeitsvermittler tauschen wir uns natürlich aus, auch mit den Arbeitsagenturen gibt es eine gute Zusammenarbeit. Fakt ist, dass viele Unternehmen vorhandene Stellen nicht besetzen können, also auf Umsatz und Wachstum verzichten müssen. Und das in vielen Branchen.


In welchen denn noch?

Andreas Kübler: In der Alten– und Krankenpflege mangelt es an examiniertem Personal. Auch Pflegehilfspersonal fehlt, ich selbst könnte sofort 10 Pflegehelferinnen oder –helfer vermitteln. Im Wachschutz existiert ein erheblicher Bedarf, möglicherweise wird diese verantwortungsvolle Tätigkeit nach der Tariferhöhung interessanter.


Was verhindert aus Ihrer Sicht eine Vermittlung von Arbeitsuchenden?

Andreas Kübler: Oft fehlen fachliche Kompetenzen, so dass eine gezielte Weiterbildung nötig ist. Nehmen wir den Bürobereich – hier werden immer stärker Englischkenntnisse gefordert. Unternehmen gehören zu Weltkonzernen, haben internationale Kunden oder Partner. Die Kommunikation untereinander ist natürlich in Englisch. Erst vor zwei Jahren wurde in den Berufsabschluss Bürokauffrau/–mann Englisch integriert. Das hätte viel früher passieren müssen.


Hier ist also Weiterbildung nötig?

Andreas Kübler: Das ist für viele Berufe sinnvoll. Aber nicht als 14–Tage–Crashkurs, solche Bewerber stellt niemand ein. Es geht um solide, anwendungsbereite Sprachkenntnisse.


Worin liegen die Stärken der privaten Arbeitsvermittler?

Andreas Kübler: Unser Geschäft sind oft genug die „schwierigen Fälle“. Wir bauen enge Kontakte zu Unternehmen auf, die uns nach guten Erfahrungen auch vertrauen. So können wir schnell abschätzen, ob und unter welchen Bedingungen Arbeitsuchende eine Chance als Bewerber haben. Dazu sprechen wir sehr intensiv mit diesen Bewerberinnen bzw. Bewerbern. Die Lebensläufe sagen selten alles, manchmal schrecken sie sogar ab. Wir suchen die Stärken und raten bei Bedarf zu Weiterbildungsmaßnahmen. Und wenn wir spüren, dass jemand wirklich will, legen wir im Zweifel auch mal ein gutes Wort beim Arbeitgeber ein…


Ring der Arbeitsvermittler
Der Ring der Arbeitsvermittler vertritt mit seinem Landesverband Berlin–Brandenburg über 30 Mitglieder.
Informationen und Kontakt: www.rda–bb.de



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